Multisystemische Verläufe

Normalerweise beginnt eine Infektion mit Chlamydia pneumoniae wie eine harmlose Atemwegsinfektion.

Durch verschiedene, jedoch noch ungeklärte, Ursachen kann sich die Infektion aber prinzipiell in jeden Teil des menschlichen Körpers ausbreiten. Sie befallen Nerven- und Muskelzellen, Blutgefäße, lebenswichtige Organe wie Leber und Niere, sowie das Immunsystem. Einige Untersuchungen zeigen sogar, daß sich die Erreger Makrophagen und Monozyten als Wirtszellen suchen und somit unser Immunsystem zu ihren Gunsten manipulieren. Gerade diese Manipulation des Immunsystems birgt die Gefahr der Entstehung von Autoimmunerkrankungen, wie sie im Laufe der Jahre bei Betroffenen häufig anzutreffen sind, z.B. Hashimoto-Thyrioditis.

Problematisch ist die Situation, das Chlamydia pneumoniae ein Energieräuber ist. Wie bereits erwähnt bedienen sie sich der Energie (ATP) der Wirtzelle, um zu überleben und sich fortzupflanzen. Dabei verliert die einzelne Zelle mehr und mehr ihre Funktion. Sind viele Zellen in einem Gewebe betroffen, so verliert ebenfalls das gesamte Gewebe oder sogar das Organ an Funktionalität. Dies führt zu weiteren Komplikationen.

Des Weiteren werden beim Zerfall von Chlamydia pneumoniae 2 Arten von Endotoxinen freigesetzt, die zu chronischen Entzündungen, Gewebezerstörungen und einem chronisch aktiviertem Immunsystem führen. Ebenso erhöht sich die toxische Gesamtbelastung auf den menschlichen Organismus. Gerade bei einer erfolgreichen Therapie der Bakterien werden durch die Zerstörung viele solcher Giftstoffe freigesetzt, die zu heftigen und unangenehmen körperlichen Symptomen führen. So können neue Symptome hinzutreten, alte sich verstärken und der gesamte körperliche Zustand sich verschlechtern. Dies ist aber als eine positive Nebenwirkung der Therapie zu verstehen, veranlasst jedoch Patienten, die Therapie abzubrechen.

Die Standardbehandlung von Chlamydia pneumoniae sieht eine 4-14-tägige Antibiotikatherapie vor. Meist kommt dabei auch nur eine Wirkstoffart zum Einsatz.

Das Bakterium zeigt 3 Lebenszyklen. Ein einzelner antibiotischer Wirkstoff kann jedoch nur in der Lage Formen eines Lebenszyklus zu zerstören. Lebensformen in den beiden anderen Zyklen bleiben erhalten und können zu Rezidiven bzw. Reinfektionen führen. Diese zeigen dann häufig multisystemische Verläufe.

Orientiert man sich an den unterschiedlichen Lebensformen der Chlamydia pneumoniae so wird offensichtlich, dass nur eine Kombination von Antibiotika und Medikamenten, die an den verschiedenen Zyklen ansetzen, zu einem Erfolg führen kann. Nur wenn alle Lebensformen eliminiert sind, kann eine Reinfektion bzw. ein Rediziv verhindert werden. Auch diese Therapie führt nicht unbedingt unmittelbar zum Erfolg, sondern kann Monate und Jahre dauern.

An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass eine durchlaufene Infektion mit Chlamydia pneumoniae nicht zu einer zeitlich begrenzten oder sogar lebenslangen Immunität führt, d.h. nicht vor einer Neuinfektion mit dem Erreger schützt. Aufgrund des Übertragungsweges ist jedoch ein vorbeugender Schutz kaum möglich.